Bio-Bäuerinnen und -Bauern sind sowohl für als auch gegen die Trinkwasserinitiative aktiv. Nach einer engagierten Diskussion beschloss die Delegiertenversammlung des Bio-Dachverbands die Nein-Parole. Die Delegierten waren sich einig: Bio ist so oder so eine gute Lösung. Und der Einkaufszettel wirkt schneller als der Stimmzettel. 

 

 

 

 

Bereits im letzten November hatte die Delegiertenversammlung (DV) mit grossem Mehr die Ja-Parole zur Initiative «Für eine Schweiz ohne synthetische Pestizide» beschlossen. Sie bezieht auch die Importe und die Konsument*innen mit ein. Sie ist für Bio Suisse ein wichtiger erster Schritt in Richtung Bioland Schweiz, denn der Wandel zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem Schweiz ist nur als Gemeinschaft zu schaffen.

 

Probleme unbestritten, Bio ist eine gute Lösung

Die Trinkwasserinitiative (TWI) wurde deutlich emotionaler diskutiert. Einig war sich die DV heute bezüglich der Problemanalyse: Die intensive Landwirtschaft mit ihrem hohen Einsatz an Pestiziden, Kunstdüngern und importierten Futtermitteln ist nicht nachhaltig. Die neuen Forschungsergebnisse lassen keinen Zweifel an den negativen Effekten, zum Beispiel auf Gesundheit, Biodiversität, Wasserqualität oder Klima. Und Bio ist – unabhängig von der Parole zur TWI – eine gute Lösung.

Bio Suisse hatte darum für einen griffigen Gegenvorschlag oder zumindest eine mutige Agrarpolitik plädiert, die den Umstieg auf den Biolandbau erleichtert. Beides wurde vom Parlament abgelehnt. Verschiedene Votant*innen an der DV sahen darum die Trinkwasserinitiative als Ausweg aus der Sackgasse. Sie warben – auch mit Blick auf die besorgten Bio-Konsument*innen – für ein Ja.

Urs Brändli begründete namens des Vorstands dessen Nein-Empfehlung. Die Probleme seien unbestritten. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen sollen die Probleme jedoch allein auf dem Buckel der Bäuerinnen und Bauern gelöst werden. «Das ist aus Sicht der Bio-Bäuerinnen und -Bauern nicht die richtige Lösung. Seit 40 Jahren entwickelt sich der Biolandbau im Gleichschritt mit dem Bio-Konsum, geht auf die Bedürfnisse der Käuferschaft ein und entwickelt sich weiter. Diesen Weg wollen wir beibehalten.»

Mehrere Delegierte schlossen sich der Kritik an und bemängelten, dass die Initiative bei allen guten Absichten auf die Produktion fokussiere, ohne gleichzeitig auch den Import und den Konsum einzubeziehen. Zudem würden viele Betriebe auf Direktzahlungen verzichten, und es würden mehr Lebensmittel importiert. Unter dem Strich führe dies zu weniger statt mehr Ökologie und Tierwohl.

Bei der Parolenfassung plädierte eine Mehrheit von 73 Delegierten für ein Nein.